Dienstag, 21. 3. 1995

36. Tag

ASP-CNS. [...] Der Rückflug nach Queensland gestaltete sich etwas umständlich, da ich über Uluru flog, aber was solls.
Nachmittags hab ich geschaut, was ich denn mit dem freien Tag morgen anfangen könnte: Kuranda und die Atherton Tablelands wären schick, aber das beginnt so früh, also habe ich die Entscheidung auf morgen früh verlegt. Dann noch auf eine hervorragende Paglia e Fieno in La Fettucine, dem besten Italiener am Orte (si!).

37. Tag

Faultag. Schlecht geschlafen, die anderen Kerle bei uns schaffen es, die Temperatur im Zimmer gut über der Außentemperatur zu halten, und außerdem hustete der Schweizer die ganze Nacht. Quindi: kein Kuranda. Dafür beim Frühstück beim Libanesen auf Shun Shi und Susan gestoßen, zwei nette Koreanerinnen aus Hong Kong, dan durch die Stadt geschlendert, geschrieben, gelesen, und in Stargate gegangen. Enttäuschend. noch schlechter als Jurassic Park! Gerammelt voll mit inhaltlichen Fehlern, mit einem James Spader als krasse Fehlbesetzung, mit einem eindrucksvollen Ra und mittelmäßigen optischen Effekten.
Abendessen (Döner), noch ein bissl um den Block gezogen, aber dann ins Bett.

38./39. Tag

Tauchkurs. Am meisten Bammel hatte ich vor dem Dive Medical, da ich befürchtete, wegen der Ohren oder so nicht fürs Tauchen geeignet zu sein, aber das erledigte sich relativ rasch: Tauglich und demnach: Hallooo, Unterwasserwelt!
Der erste Vormittag war nur Theorie, der Nachmittag schon im Pool, der zweite Vormittag wieder im Pool und der Nachmittag noch den Rest Theorie und die Prüfung (38/40). Schelchte Planung: in der Gruppe nach uns sind jede Menge Mädels, wir sind 7 Jungs...
Abends noch einen Vortrag Reef Teach: von einem Dozenten am College über die verschiedenen Lebensformen am Riff. Der Vortragsstil war, nenne wirs eigenwillig, aber man lernte doch einiges.

40.-42. Tag

Great Barrier Reef. Am dritten Tag gings dann raus aufs Meer, mir gings erstmal nicht so gut, ich war nahe am reihern, weil ich versuchte, den Kopf gegen die Bootsbewegung ruhig zu halten, was absolut falsch ist: wenn man sich mit dem Boot bewegt, ist das richtig, und nach einem kleinen Schläfchen des Leidens gings recht gut.
Was ich nicht gedacht hätte: Tauchen ist furchtbar anstrengend. Eigentlich gab es nur Tauchen und Essen, einen Tauchgang, eine Mahlzeit, und was haben wir reingehauen! Unter Wasser ging es von Tauchgang zu Tauchgang besser, am zweiten Vormittag, also nach vier Tauchgängen, waren wir zertifizierte Taucher mit dem PADI Open Water Diver und durften alleine los, alleine heißt natürlich mit unserem Tauchpartner, dem Buddy. Einmal nahmen wir uns auch eine Kamera, Idris aus Südafrika und ich, aber Unterwasserphotographie ist schwerer, als man so denken möchte: wenn man nicht richtig nahe dran ist und einen fetten Blitz hat, sieht man nur verschiedene Schattierungen von Blau. Eine auf unserem Boot (wir waren etwa 20) hatte eine Nikonos mit feisten Blitzen, aber leider habe ich die Ergebnisse nicht gesehen.
Einen Nachttauchgang hatten wir dabei, aber es war nicht viel zu sehen, das eindrucksvollste war noch die Biolumineszenz: wenn man nachts die Hand im Wasser schnell bewegt, sieht es aus, als würde sie Funken sprühen, da die Kleinstlebewesen im Wasser in den Turbulenzen kurz leuchten.
Meine ersten Haie sah ich übrigens nicht beim Tauchen, sondern beim Schnorcheln zwischendrin, was ich sowieso angenehmer fand als Tauchen: nicht so kräftezehrend, man legt sich mit seinem wetsuit einfach auf die Wasseroberfläche, läßt sich von der Strömung treiben und paddelt gegebenenfalls mal ein paar Meter irgendwohin, z. B. um einen Hai zu verfolgen, der in 8-10 m Tiefe gemütlich seine Kreise zieht. Keine Angst, waren nur reef sharks, etwa 2 m lang und nur im Ausnahmefall auf Menschen gehend. Unsere Tauchlehrer hatten uns auch gesagt, "man sieht keine großen Haie am Great Barrier Reef - sie kommen immer von hinten..." Was hingegen wirklich majestätisch wirkt, sind Schildkröten: ich hatte das Glück, das mir sogar eine am Objektiv vorbeigekommen ist.
Am letzten Abend, nach dem Anfall von Landkrankheit (gibt's! Der Gleichgewichtssinn hat sich an das Schaukeln gewöhnt und filtert es weg, und tut das an Land auch noch, so daß der Eindruck entsteht, das Land bewege sich; nicht spaßig!), gab es noch eine Abschiedsfete im Cock&Bull, einem sehr netten pub.

43. Tag

Aufbruch nach Sydney. Ich hatte schon vor meinem Ausflug mit dem Tauchboot ein paar Zettel an verschiedene schwarze Bretter gehängt, mit der message, daß ich einen lift nach Sydney suche: zwei Leute haben sich gemeldet, Matthew aus Schottland, der in der gleichen Situation ist, und Peter aus Freiburg, der ein Auto hat und noch Mitzahler sucht - Bingo! Leider ist er mir am Anfang furchtbar unsympathisch, ich rechne schon damit, daß ich am ersten Abend wieder aussteige, aber wider Erwarten gewöhnten wir uns aneinander. Peter mußte noch eine Kleinigkeit am Auto machen lassen, er ist Abiturient und seit einigen Monaten schon da, bevor er nach Hause zum Zivildienst muß, und kurz vor Mittag sind wir dann losgekommen.
Die Weite des Landes an der Queenslandküste entlang selbst erfahren, wenn auch nicht selber am Steuer, da war er eigen, und das war gut so, denn die Karre (ein roter Ford Falcon) hatte doch einige Macken.
Erster kleinerer Halt ist in Mission Beach, einem der vielen Traumstrände hier, und wie üblich kann man nicht baden, es gibt Quallen; diese, die mit dem Wort "sea wasp" verniedlicht werden, eigentlich aber Box Jellyfish heißen.
Für den Abend kommen wir nach Townsville, wo wir uns für den Abend trennen, Matt und ich hitten town, nehmen ein recht feines sea food dinner, bei dem er mir anvertraut, daß er schon seit einigen Monaten fast vegetarisch lebt, da er koscher essen muß (er ist übrigens der einzige Jude auf dem ganzen Trip, der sich an die Koscherregeln hält; er ist auch der einzige, der nicht aus Israel kommt; ich vermute da einen kausalen Zusammenhang). Der Abend wird in einer Bar beschlossen, da alles andere entweder dresscode hat (wir waren in shorts), oder nicht einladend aussieht oder zuhat, aber so richtig Stimmung kommt nicht auf.

44. Tag

Townsville - Airlie Beach. Ups: in meiner Hosentasche finde ich plötzlich den Schlüssel von Hostel 89, also zurückschicken und Tim anrufen ("No worries, mate!").
Morgens noch von dem Hügel hinter Townsville einen feinen Blick auf Magnetic Island; nachdem ich ja noch ausgiebig die Inselwelt des Pazifik kennenlernen werde, halte ich es nicht für nötig, hier in Oz mehr tropische Inseln als unbedingt nötig mitzunehmen.
Die Fahrt ist recht ereignislos, wenn man von der ungeheuren Fläche zur landwirtschaftlichen Erzeugung absieht: man fährt einige Stunden durch Zuckerrohr, dann steht da ein Schild, das ein Zuckerrohrquarantänegebiet einleitet, da stehen dann einige Stunden Bananen, bis ebenso unvermittelt ein Schild steht, das hier ein Bananenquarantänegebiet beginnt und wieder einige hundert km Zuckerrohr recht und links stehen. Wahrscheinlich bauen die hier Zuckerrohr auf der Fläche Deutschlands an, Bananen auf der Fläche Frankreichs und Gott weiß was noch auf der Fläche Italiens. Die Temperaturen für diesen Abschnitt habe ich übrigens auch nachtragen können, da Peter, den ich inzwischen in Freiburg nochmal gesehen habe, mir dankenswerterweise sein Fahrtenbuch zur Verfügung gestellt hat: hier die Woche in QLD war es immer 26-35C, in einem Auto ohne Klimaanlage gar nicht mal so toll, aber am Pool gut erträglich. Der typische Tankbreak war dann auch immer mit dem zusammengetesaten pack aus eine Dose Coke und einem KitKat aus dem Kühlschrank verbunden, für oft unter einem Dollar ganz schön preiswert.
Am späten Nachmittag kommen wir in Airlie Beach an, gerade noch rechtzeitig, um uns für einen der zwei Backpacker zu entscheiden und eine der zwei Boat Cruises durch die Whitsunday Islands zu buchen. Wenn Queensland Partycoast ist, dann ist Airlie Beach sicherlich die Hauptstadt. Ein derartig vergnügungsorientiertes Dörfchen habe ich weder vorher noch nachher irgendwo gesehen. Und einige der Traveller dort stecken schon seit über einer Woche fest und schaffen es einfach nicht, sich aufzuraffen und weiterzufahren.
Eine ganz interessante Entdeckung ist, daß man weitaus mehr Kanadier als Amerikaner trifft, ein Fakt, für den ich keine echte Erklärung habe; andere traveller erklären mir, daß Amerikaner lieber im eigenen Lande bleiben und auch nur 2 Wochen Urlaub haben, was aber für die Masse der traveller, die ich hier getroffen habe, eh Unsinn ist, da sie sich einige Monate ausgeklinkt haben.
Abends machen wir dann, was alle machen, wir wählen einen der zwei pubs, unserer macht heute abend ein keg, ein Faß auf, das geht so, daß jeder umsonst ein 0.2-Glas Bier bekommt, das er dann sofort hinunterstürzen muß, worauf er sich wieder von neuem anstellen darf. Ich komme auf etwa 3 Runden, andere schaffen 6 oder 7; trinken scheint hier sowieso eine Art Nationalsport zu sein. Später zieht es uns dann in einen der zwei Night Clubs, in dem Falle zu dem, der uns vorhin auf der Straße Gutscheine für insgesamt 6 Drinks für je einen Dollar gegeben hat; aber bis es richtig voll wird, halten wir heute Nacht nicht aus.

45. Tag

Whitsunday Island Cruise. Nett, mit einer Dreißigmeterjacht, die einmal die schnellste Australiens war, durch die tropische Inselwelt der Whitsunday Islands; sehr relaxend, mit Schnorcheln und selber Boot steuern; die anderen waren auf einer Schnuppertauchabkoche, soll heißen, sie durften 45 AUD zahlen für eine Dreiviertelstunde mit dem vollen Tauchgerödel, aber das Wasser war dort sehr sandig und die Sicht dementsprechend schlecht, und außerdem war es auch nur 3-4 m tief, also habe ich mir als einziger Schnorchler den Spaß gemacht, mit ein paar duck dives unten unter den Tauchern rumzuschwimmen... Und wenn ich mir nicht diesem fiesen Sonnenbrand geholt hätte, wäre der ganze Tag noch genialer gewesen. Hier konnte dann das Soothing After Shave Balsam von Nivea gute Dienste leisten.
Abend mußte man dann natürlich mit den neuen Freunden vom Boot noch einen draufmachen, aber das ging auch nicht so extrem spät.

46. Tag

Airlie Beach. Kurz nach der offiziellen Auschecktime konferierten wir und beschlossen, noch einen Faultag einzulegen. Also einen European gekauft, das Magazin am Strand gelesen, den Rest der Zeitung in der Hütte, zuviel Wind am Strand. Viel geschrieben, abends schwach gepartyt.

47. Tag

Airlie Beach - Eungalla - Mackay. Samstag früh ist Markt in Airlie Beach, da schlendern wir erstmal drüber und stocken die Vorräte etwas auf. Von Airlie Beach fahren wir dann zu einem Wasserloch im Regenwald, das recht belanglos war abgesehen von der Tatsache, daß beim Hike zurück zum Auto Matt eine Schlange über die offene Sandale wischte; dann etwas weiter ins Landesinnere, in den auf einem Hochplateau gelegenen Eungalla National Park.
Das Klima dort oben ist sehr fein, seit einigen Wochen ist es das erste Mal, daß es nicht so heiß ist, daß einem die Kleidung am Leib klebt, sondern erfrischende Waldluft, die richtig gut tut. Außerdem wirbt der lp damit, daß man dort in der Abenddämmerung Schnabeltiere sehen kann; leider sehen wir diesen Abend keine, obwohl wir einige Stunden am Steg auf der Lauer liegen. Zum Schlafen finden wir dann keinen Platz mehr dort oben, so daß wir wieder an die Küste müssen, nach Mackay, wo wir mit ätzenden Mädels ein Zimmer teilen müssen.
Auf dem Weg in die Nacht stolperten wir über Pulp Fiction: ich brauchte drei Tage, bis ich mein Englisch wenigstens halbwegs wieder gereinigt hatte... Die Nacht hingegen wurde recht interessant: Samstag abend in der besten Partystadt in 150 km Umgebung, lauter Typen wie aus den Mantafilmen, die hier jedoch Ford Falcon fahren, und ständig Bewegung zwischen den besten Clubs, die glücklicherweise alle an einer Straße lagen. Matt erzählt mir da das Wort von "rough'n'ready"...

48. Tag

Mackay - Caves - Gladstone.Auf dem Weg nach Süden immer den Bruce Highway entlang kamen wir an ein paar Fledermaushöhlen vorbei, aber Olsen's Capricorn Caves und die Cammoo Caves, beide in der Berserker Range, waren uns dann doch zu teuer (9$).
Nach einer langen Fahrt waren wir dann abends in Gladstone, einem wichtigen Hafen für Zuckerrohr, aber wir sind dann kaum aus dem Hostel raus. Nur zum Telefonieren bin ich nochmal kurz weg, eine nagelneue 50$-Telefonkarte vernichten, aber daß Australia Telecom nach 2$ bisslwas auf die Plaudermaschine sprechen die Telefonkarte auf 0 reduziert, hat mich doch genervt. Also habe ich einen Antrag ausgefüllt und meine Telefonkarte abgegeben. Tatsächlich kam dann zuhause ein freundlicher Scheck über 47,35 $ an, den ich mir etwa halbe-halbe mit meiner Bank teilte (genau genommen bekam ich nur 19,27 DM, also ging über die Hälfte an die Bank).

49. Tag

Gladstone - Hervey Bay. Heute sind wir in Hervey Bay eingetroffen, wo sich Matt von uns verabschiedete, er war sowieso unter Zeitdruck gestanden, noch rechtzeitig zum Passahfest zu Freunden nach Sydney zu gelangen, und als da noch eine Tante gestorben war, hat er sich abgesetzt. Obwohl wir schon am frühen Nachmittag da waren, war es nicht so einfach, noch einen Platz auf einem Auto zu bekommen für morgen, um einen Dreitagestrip nach Fraser Island zu machen, der größten Sandinsel der Welt. Was alle machen, ist, im Koala Backpacker einzuchecken und die von denen organisierte Tour mitzumachen, ohne Führer, 9 Leute in einem Toyota LandCruiser, in dem recht heftig das Gepäck umherfliegt und der wichtigste Proviant eh die Spirituosen sind.

50. Tag

Fraser Island: Eli Creek, Maheno, Orchid Bay. Ich war allein auf dieser Tour, zumindest was unser Auto anging, Peter war schon auf dem Hinweg in Fraser Island gewesen und ist ins Landesinnere in die Berge abgeschwirrt, und Matt habe ich ja schon berichtet. Interessant ist das schon, ein Sandstrand, der bei Ebbe gleichzeitig federal highway und offizieller airstrip ist...
Früh aufgestanden, wie immer bei solchen Touren, dann das Zeug gepackt und in den Wagen (Toyota Landcruiser, was sonst?) verladen bekommen, eine Einweisung fürs Fahren auf Sand, und wo die Schönen Stellen der Insel sind, und los gehts. % Gruppen a 8 oder 9 Leute, dichtgedrängt mit all dem Equipment und voller Spannung, Marc aus England fährt zunächst bis zum Permit Store, wo eine der Gruppen erfolglos an einem puncture laboriert; sie kommen damit zwar noch bis zum Fährparkplatz, aber irgendwo auf dem Weg zur Fähre, was nur wenige Meter warne, hatten sie ofenbar noch ein Problem, und versuchten, in fieberhafter Eile den Reifen zu wechseln; das war auch das letzte, was ich sah, bevor sie aus dem Sichtbereich der Fähre verschwanden. Ein vernünftiger Wagenheber im Gepäck wäre doch sinnvoll gewesen.
Erste größere Station war Eli Creek: ich hatte ja schon einige Plätze gesehen mit Namen wie "Paradise" oder "Garden of Eden", aber nie schien es mir so passend wie hier; der Bach ist etwa 1 1/2 m breit und bis zu einem Meter tief, so daß man bequem in den Urwald hineinwaten kann, auch mit der Kamera; leider ist Urwald etwas, von dem Bilder zu schießen ekelhaft schwierig ist. (National Geopraphic hat mal dem Vernehmen nach mehrere Photographen in den Urwald geschickt, um hinterher aus 20.000 Bildern 4 zu veröffentlichen...) Dafür ist das Erlebnis um so überwältigender: Vögelrufe, Insektengeräusche, das Spiel von Licht und Schatten, immer wieder eine neue Biegung, hinter der es noch schöner aussieht, der Geruch der Welt, einfach ein zauberhaftes Land. Ich bin immer weiter hochgewatet, bis ich an eine Stelle kam, an der ich nicht mehr weiterkam, ohne meine Kamera zu riskieren, und gedachte der anderen, die lediglich die ersten hundert Meter sahen und sie als eine Art Wasserrutsche gebrauchten.
Weiter am Strand zum Wrack der Maheno, einem alten Dampfer, der seit einigen Jahrzehnten dort am Strand vor sich hinrostet, ein gar malerischer Anblick. Der Abbauvorgang an dem Schiff soll auch durch die australische Air Force noch etwas beschleunigt worden sein, die das Schiff lange Jahre als Übungsziel gebrauchte.
Für das Nachtlager sind wir dann an den Campingplatz von Orchid Bay, haben zusammen mit drei anderen Autos ein großes Lagerfeuer gemacht und wild Party gefeiert, die Rädelsführer zumindest; ich habe mich dann vor dem bitteren Ende ausgeklinkt und mit meinem Schlafsack an den Strand gehauen.

51. Tag

Fraser Island: Champagne Pools, Indian Head, Lake McKenzie. Nachdem wir von dort der mangelnden Ebbe wegen erst wieder am Mittag wegkommen sollten, haben wir uns in die Nähe zu den Champagne Pools aufgemacht, ein paar geschützten Möglichkeiten zu schwimmen, in die immer wieder wellenweise Meerwasser einbrach. Vom Schwimmen im offenen Meer war uns abgeraten worden. Warum, konnte man ganz in der Nähe von Indian Head aus sehen, einer Klippe, von der aus man einen phantastischen Blick ins Wasser und auf das dort schwimmende Großgetier hatte: in einem Fall war es eine Vierergruppe von mantas, Flügel an Flügel wie Zugvögel, dann wieder eine Grupe großer Fische, die vom Bewegungsmuster her wohl Haie waren, dann wieder ein großer, runder Schatten unter Wasser, der alle paar Minute hochkommt und einen Schildkrötenkopf über Wasser hebt; ich saß da zwei Stunden und konnte kaum genug kriegen.
Für den Abend hatten wir uns wieder gemeinsam zu einer lauten alkoholischen Party verabredet am Lake McKenzie, einem wunderschönen Süßwassersee in der Inselmitte, in dem man gleichzeitig schwimmen und trinken konnte, ein Vergnügen, das ich bisher auch noch nicht hatte. Speziell die Stimmung des Sonnenunterganges über dem Wald vom See aus gesehen und die Sicht durch das Wasser war gigantisch.
Beim Lagerfeuer sorgte ich diesmal für einige Aufregung, als ich barfuß in einen kleinen Skorpion stieg: es tat zunächst höllisch weh, der Fuß wurde taub, und ich hatte keine Ahnung, wie schlimm es werden würde, ob der Skorpion gar tödlich sein könnte oder wenigstens der Fuß dran glauben würde müssen; so stand ich denn einige qualvolle Viertelstunden durch, schluckte Antihistamine gegen die Schwellung und unterdrückte meine Übelkeit und das Schwindelgefühl, dachte nach, wem ich denn meine Habe vermachen könnte und bei wem ich einige famous last words klauen könnte, bis sich dann herausstellte, daß der Stich ungefähr so schlimm war wie ein Wespenstich. Uff. Danach war mir dann auch nicht mehr allzusehr nach Party, und vom Campingplatz verzog ich mich dann an den Strand zum Pennen. Merke: Ein großes Handtuch zum Unterlegen hält den Sand aus den Körperöffnungen draußen.

52. Tag

Fraser Island: Lake Wabby. Über einen der Mitstreiter muß ich hier doch berichten: Jonessy, der immer wieder Photos von sich verlangte, wie er beim Aufbau der Zelte oder beim Lagerfeuer mitarbeitete, aber nach dem Photo sofort den Hammer fallen ließ und beim besten Willen nicht zur Mitarbeit zu bewegen war. Immerhin hatte er eine tolle Geschichte zum besten zu geben: in Thailand, war es glaub ich, hat er sein Bargeld und seine traveller cheques verloren, weil ihn ein Elefant ins Meer getrieben hat. Wie? Naja, er wollte ihn photographieren, und kam vom Meer her, aber der Elefant schien da irgendwas dagegen zu haben und drängte ihn immer weiter raus, bis er schließlich schwimmen mußte, um den Elefanten wieder abzuschütteln; Pech war nur, daß sein Geldgürtel nicht wasserdicht war...
Zurück zu diesem Tag: der einzige Punkt, den wir heute noch anlaufen konnten, war Lake Wabby, der wohl bekannteste See der Insel, der seine Berühmtheit einer Sanddüne verdankt, die ihn im Gegenzug wohl bis zum Ende des Jahrzehnts volständig verschlucken wird. Schon interessant, der Kontrast von dichtem Regenwald auf der einen Seite des Sees und der einfach nur gelben Sanddüne auf der anderen. Typische Beschäftigung hier ist herunterrennen oder -rollen von der Sanddüne und hinein ins Wasser! Aufpassen sollte man nur auf den Wasserstand, es haben sich schon mehr als einer das Genick gebrochen, da die Düne unter Wasser nicht mit genau dem gleichen Winkel weitergeht wie über Wasser... Leider schafften wir es nicht mehr zu den tea-coloured lakes weiter südlich.
Auf dem Rückweg auf der Fähre waren noch die Delphine erwähnenswert, die unser Boot umschwärmten. Abends gab es dann die übliche Abschiedsparty mit den üblichen Trinkspielereien.

53. Tag

Hervey Bay - Noosa. Morgens lerne ich Kristin kennen, die sich in unser Auto einlädt (oder die ich einlade?); wieder zu dritt fahren wir in Richtung Noosa, kommen dabei an der Big Pineapple vorbei, einer 15-m-Ananas aus Glasfiber, die von innen begehbar ist und für Ananas Werbung macht, eines der Haupterzeugnisse der Gegend. Sascha hat mir später mehr über die Big Things in Queensland erzählt, sie machte Diplomarbeit darüber; offenbar ist das eine Art Kompensation dafür, daß sie sonst keine vorzeigbare eigene Kultur haben.
Eigentlich wollten wir den Nationalpark an der Spitze der Noosa Heads abhaken ("Been there - done it - got the T-shirt") und dann weiterkommen zum Schlafen, aber der Spaziergang im Park ist so schön und dauert so lang, so wie der kurze Schwimm am Strand der Alexandria Bay, daß wir doch nicht weiterkommen und in Noosa bleiben, wofür wir mit einem der besten Restaurants belohnt werden, in denen ich auf diesem Trip war.

54. Tag

Noosa - Brisbane. Gleich hinter Noosa geht's in die Mapleton Falls und die Koondalilla Falls; Mapleton ist zu, aber an den anderen kommen wir gut hin. Interessant ist hier vor allem die Vegetation: unten in den geschützten Tälern herrscht Regenwald vor, während oben ein lichter Eukalyptuswald steht. Der Übergang dabei ist frappierend: auf wenigen Höhenmetern ändert sich der Waldtypus abrupt.
Der Rest vom Tag ist voll mit den Glass House Mountains, vulkanischen Kegeln, die aus der Gegend hochstehen und die Aborigines zu Geschichten inspiriert haben, die mir nur abstrus erscheinen. Immerhin gab es dort mitten in der Pampas einen recht guten Cream Tea, wenn auch nicht mit der göttlichen clotted cream aus Cornwall.
In Brisbane selber waren wir dann erst gut nach Sonnenuntergang, was uns leichte Schwierigkeiten bei der Schlafplatzbeschaffung bescherte, aber schließlich hatten wir dann doch unser Zimmer und machten uns noch etwas auf in die Stadt: "The Shawshank Redemption", guter Film.

55. Tag

Brisbane. Morgens nahmen wir ein Boot über den Fluß zum Riverside Centre, vom Schiff aus schaut Brisbane recht nett aus, mit alten großen Stadthäusern, die auf den Fluß schauen, und einer modernen Skyline, die zwar eher belanglos, aber hübsch geschlossen aussieht.
Dort schlendern wir erstmal über einen Markt, mit Glasbläsern, Webern und anderen Künstlern im Stile von Toolwood; danach schlendern wir etwas durch die Stadt (ein eindrucksvolles Kino gibts da in einem 1929er Theater) und gehen dann rüber ins ehemalige Expogelände auf der South Bank. Dort steht eine nepalesische Pagode, an der 160 nepalesische Kunsthandwerker 2 Jahre gearbeitet habe und die jetzt eine der größten Pagoden der Welt ist. Außerdem war ich im Queensland Museum, in dem mich die Ausstellung am Eingang mit den lebensgroßen Walmodellen einer kleinen Familie (Papa, Mami und Kleines) von Buckelwalen, die über 20 m lang sind und unter der Decke hängen, sowie eine nur 3,6 m lange Einmannjacht, mit der ein Einhandsegler allein um die Welt gesegelt ist.
Danach war es schon Sonnenuntergang und wir setzten uns noch in einen Chinesen in der Nähe unseres Hostels, des Globe Trekkers Hostel, das von einem Künstler (hier war ich versucht, Anführungszeichen zu setzen) geleitet wird, der wiederum anderen Künstlern Unterschlupf gewährt und vor allem lange Gespräche führt, über die Kunst, das Leben und den ganzen Rest...
Alles in allem: eine lebenswerte Stadt, nicht so lively nachts, aber das ist vermutlich nur das, was wir gesehen haben, Einheimische meinten, man müsse nur wissen, wo. Der Anteil an offensichtlich Alkoholisierten um Mitternacht ist relativ hoch, und der Anteil Mädels an den pissed ist durchaus pari zum overall Anteil. Auch ist die Kleidung hier in zwei Klassen zu unterscheiden: Unauffällig und auffällig. Dazwischen gibt es nix. Und auffällig ist sehr auffällig, während unauffällig schon ziemlich graue Maus ist.

56. Tag

Road Worthy Certificate. Peter mußte für sein Auto ein sogenanntes Road Worthy Certificate (RWC) beschaffen, um es wieder verkaufen zu können; sogar um es lediglich auf sich umzuschreiben, denn nicht mal das war es. Aber statt des kurzen Besorgens eines Papiers, was er glaubte und von dem wir keine Veranlassung hatten, etwas anderes anzunehmen, wurde es eine gar längliche Unternehmung, die peu a peu den ganzen Tag in Anspruch nahm. Nachdem wir zumindest am Anfang noch in dem Glauben waren, wir kämen gleich weg, also so am Mittag oder so, saßen wir (Kristin und ich) einige Stunden beim Frühstück auf der Terrasse des Hostels, bis dann am frühen Nachmittag Peter kam und uns auf etwas später vertröstete, also saßen wir noch einige Stunden mehr dort und ratschten, lasen (sogar ein Magazin auf Spanisch lag da rum, aber bei der Quantenphysik der Zeitreise mußte ich dann doch kapitulieren), nahmen hin und wieder einen Happen zu uns, plauderten uns eins und hatten alles in allem einen sehr ruhigen Tag. So gegen 6 wurde dann klar, daß wir heute nicht mehr loskommen würden, worauf wir wieder eincheckten und noch in die Stadt gingen, eigentlich ins Gopal's wollten, das aber zu hatte, so daß wir in einen feinen Mexikaner gingen, Tortilla Cantina, der ein leckeres Chili hatte: in einer Teigschale eine Lage Reis, Chili, Käse, Salat, und als topping sour cream. Für nur 5 $!

57. Tag

Brisbane - Lamington NP. Nachdem sich Peter entschieden hatte, eine halbwegs elegante Lösung zu wählen, die, sagen wir, die lokalen Regeln interessant umschifft und die weitere Aktionen überflüssig machte, und wir ihn wieder etwas aufgerichtet hatten durch eine Geburtstagstorte samt Kerze, konnten wir morgens los in den Lamington National Park, in dem wir mittags eintrafen und erstmal die Zelte aufstellten, wonach wir einen mehrstündigen Weg durch den Wald machten. Sehr schön war ein Ausblick, bei dem man aus dem Wald auf einen Ausguck über ein Tal kam, in dem Kakadus sich langsam ihre Schlafplätze suchten. Leider fiel bei der Gelegenheit Peter sein Objektiv aus der Tasche und über den Balkon auf einen schmalen Vorsprung über dem Abgrund. Also hieß es runterklettern und das Objektiv suchen, auf einem schmalen Grat etwa 25 m über den Bäumen im Tal; er fand es nicht, also bin ich hin und fand es fast auf Anhieb - Glück gehabt. Abends wurde es dann unerfreulich kühl, das erste Mal seit Wochen. Im Zelt noch etwas Canasta; Kristin hat uns ziemlich abgezockt.

58. Tag

Lamington - Nimbin. Morgens sind wir bei schönem Sonnenschein nochmal zwei Stunden gewandert und sind dann aufgebrochen nach Nimbin, das erste Mal über Land über eine state border nach New South Wales, wo es das Regnen anfing. Toll.


Fragen, Kritik, Anregungen an Gregor Giebel.
© Gregor Giebel 1995

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